AMK-Wirtschaftspressekonferenz 2025: Küchenbranche bleibt unter Druck – Hoffnung auf Erholung ab 2026

Köln, 20.05.2025. Auf ihrer jährlichen Wirtschaftspressekonferenz gab die Arbeitsgemeinschaft Die Moderne Küche e. V. (AMK) einen Überblick über die wirtschaftliche Lage der deutschen Küchen-branche. Die aktuellen Zahlen und Analysen zeigen: Nach einem schwierigen Jahr 2024 und einem schwachen Start 2025 bleibt die Marktsituation angespannt. Dennoch setzt die Branche auf mittel-fristige Erholung – getragen von politischen Investitionen, einer Stabilisierung der Baupreise und der Hoffnung auf mehr Optimis-mus seitens der Konsumenten. „2024 hat unsere Branche ihre Resilienz unter Beweis gestellt“, fasst Volker Irle, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Die Moderne Küche e. V. (AMK) die Ent-wicklung zusammen. „2025 erwarten wir eine Phase der Stabilisie-rung – und ab 2026 rechnen wir mit einer spürbaren Erholung des Marktes.“

Die deutsche Küchenindustrie steht auch 2025 vor erheblichen Heraus-forderungen. Die anhaltende Konsumzurückhaltung, sinkende Bauge-nehmigungen und ein rückläufiger Wohnungsneubau wirken sich weiter-hin negativ auf das Marktumfeld aus. Dennoch zeigt sich die Branche verhalten optimistisch: „Die politische Kurskorrektur, sinkende Baupreise und angekündigte Investitionsmaßnahmen der neuen Bundesregierung lassen auf eine Erholung ab Ende 2025 oder im Laufe des Jahres 2026 hoffen“, erklärte Bernd Weisser, Geschäftsführer bei nobilia und Vor-standssprecher der AMK, auf der heutigen Wirtschaftspressekonferenz in Köln.

Rückblick auf 2024: Markt unter Druck, aber resilient
Nach dem pandemiebedingten Boom der Vorjahre kehrte der Markt 2024 auf das Niveau der Vor-Corona-Zeit zurück. Der Inlandsumsatz der deutschen Küchenmöbelindustrie sank laut Statistischem Bundesamt um 8,23 Prozent auf rund 3,04 Milliarden Euro. Der Export ging mit minus 4,38 Prozent etwas moderater zurück (2,62 Mrd. Euro). Der Gesamtum-satz der Küchenmöbelindustrie betrug 2024 knapp 5,66 Milliarden Euro, was einem Rückgang von 6,48 Prozent gegenüber dem Vorjahr ent-spricht. Trotz der rückläufigen Zahlen konnte sich die Küche als stärkstes Teilsegment im Möbelmarkt behaupten und zeigt damit ihre strukturelle Bedeutung als Mittelpunkt des modernen Wohnens. Besonders deutlich wurde dies in einem schwierigen gesamtwirtschaftlichen Umfeld mit ho-her Inflation und schwankendem Konsumklima.

Jahresstart 2025: schwächer als im Vorjahr
Die aktuelle wirtschaftliche Lage zu Beginn des Jahres 2025 bleibt ange-spannt. Der Inlandsumsatz der Küchenmöbelindustrie sank im ersten Quartal leicht um 1,66 Prozent, der Export um 1,96 Prozent. Insgesamt ergibt sich damit ein Umsatzrückgang von 1,8 Prozent, wobei sich zuletzt ein leichter Aufwärtstrend abzeichnete. Im Vergleich zum Vorjahreszeit-raum startete das Jahr für den Küchenfachhandel mit gestiegenen Auf-tragswerten (plus 11 Prozent), die trotz eines leichten Mengenrückgangs von minus 2,7 Prozent zu einem moderaten Umsatzplus führten. Auch der Absatz von Einbaugeräten entwickelte sich verhalten. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum lagen sowohl Absatzmenge als auch Umsatz leicht im Minus.

Verbraucher setzen verstärkt auf smarte und sparsame Hausgeräte
Wie stark der Umsatz im Minus lag und wo die Industrie dennoch punk-ten konnte, erläuterte Markus Wagenhäuser, Leiter des Bereichs Groß-geräte bei der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK): So verzeichne-ten Einbaugeräte im Möbel- und Küchenfachhandel insgesamt rückläufi-ge Absätze – in Deutschland wie in vielen anderen europäischen Märk-ten. Besonders stark war der Rückgang im unteren und mittleren Preis-segment. Wachstum zeigte sich hingegen vor allem bei hochwertigen Geräten mit hoher Energieeffizienz. Auffällig: Der Anteil der besonders sparsamen Energieeffizienzklassen A, B und C bei Geschirrspülern stieg im ersten Quartal 2025 laut GfK auf 43 Prozent – gegenüber 34 Prozent im Jahr 2023. Auch smarte Haushaltsgeräte gewinnen weiter an Bedeu-tung und machten im Jahr 2024 bereits 29,4 Prozent des Umsatzes mit Einbaugeräten aus. „Die Konsumentinnen und Konsumenten investieren gezielter in langlebige, effiziente und vernetzte Geräte. Das führt zu ei-nem klaren Trend hin zu Qualität und Funktionalität“, so Markus Wagen-häuser.

Verhaltener Optimismus trotz schwieriger Rahmenbedingungen
Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen bleiben vorerst herausfor-dernd. Die globale Wachstumsprognose wurde vom IWF erneut leicht nach unten korrigiert. Gleichzeitig hellt sich das Konsumklima leicht auf, auch wenn es weiterhin auf niedrigem Niveau bleibt. Die Erwartungen an Einkommen und Konjunktur zeigen zumindest in den Frühjahrsmonaten eine leichte positive Tendenz. Mit Blick auf die Baugenehmigungen star-tet das Jahr 2025 vielversprechend mit einem Zuwachs von 4,1 % bei den Baugenehmigungen startet das Jahr 2025 vielversprechend. Ermuti-gend ist auch die Entwicklung bei den Bauüberhängen: Laut BBSR wur-den viele genehmigte, aber bislang nicht realisierte Bauvorhaben inzwi-schen begonnen oder fertiggestellt. Die Nichtrealisierungsquote liegt bei nur
3 Prozent – ein Zeichen dafür, dass der Wohnungsbau zwar langsam, aber stetig weiterläuft. Eine Stabilisierung der Baupreise (+3,2 % im Feb-ruar 2025 gegenüber dem Vorjahr) und sinkende Zinsen könnten diesen Prozess zusätzlich fördern. Ebenfalls positiv könnte sich das von der Bundesregierung angekündigte Sondervermögen in Höhe von 500 Milli-arden Euro auswirken. Investitionen in Infrastruktur, Klimaschutz und insbesondere energetische Sanierungen sowie den sozialen Wohnungs-bau könnten die Baukonjunktur bereits im Verlauf des kommenden Jah-res beleben – mit positiven Impulsen auch für die Küchenbranche.

„Die Situation bleibt anspruchsvoll, doch es gibt berechtigte Hoffnung“, so Michael Mehnert, Geschäftsführer Siemens Hausgeräte und Vor-standssprecher der Arbeitsgemeinschaft Die Moderne Küche e. V. (AMK) „Wir sehen erste Lichtblicke, vor allem mit Blick auf die politische Unterstützung für den Wohnungsbau und ein sich langsam verbessern-des Konsumklima.“ Sollte sich dieser Trend fortsetzen, könnte sich die Nachfrage nach neuen Küchen – insbesondere im Rahmen von Sanierungen – in der zweiten Jahreshälfte 2025 stabilisieren und im Jahr 2026 wieder spürbar anziehen.

Bild 1:
Bernd Weisser

Bild 2:
Michael Mehnert

Bild 3:
Volker Irle

Bild 4:
Markus Wagenhäuser

Foto 5:
Bernd Weisser erläutert die Zahlen

Foto 6:
von links nach rechts: Markus Wagenhäuser, Volker Irle, Michael Mehnert, Bernd Weisser